Arbeitshandschuhe und Sicherheit: Kennen Sie die Klassifizierungen, bevor Sie wählen

Arbeitshandschuhe und Sicherheit: Kennen Sie die Klassifizierungen, bevor Sie wählen

Arbeitshandschuhe gehören zu den grundlegendsten Formen der persönlichen Schutzausrüstung – und werden dennoch oft unterschätzt. Viele greifen zu einem Paar, das bequem ist oder günstig erscheint, ohne zu prüfen, welchen Schutz es tatsächlich bietet. Das kann schwerwiegende Folgen haben, wenn Sie mit scharfen Kanten, Chemikalien oder heißen Oberflächen arbeiten. Um die richtige Wahl zu treffen, ist es wichtig, die Klassifizierungen und Normen zu kennen, nach denen Handschuhe geprüft werden. Hier erfahren Sie, was diese bedeuten und wie Sie den passenden Handschuh für Ihre Tätigkeit finden.
Warum Klassifizierungen wichtig sind
Die Klassifizierungen von Arbeitshandschuhen sind keine bloßen technischen Details – sie geben genau an, wovor ein Handschuh schützt. Ein Modell, das sich für Montagearbeiten eignet, ist selten für Schweißarbeiten oder den Umgang mit Chemikalien geeignet. Wer die Symbole und Prüfstandards kennt, vermeidet Fehlentscheidungen und sorgt für Sicherheit und Effizienz am Arbeitsplatz.
In Deutschland müssen Arbeitshandschuhe, die als persönliche Schutzausrüstung (PSA) gelten, mit dem CE-Kennzeichen versehen sein. Dieses zeigt, dass sie den Anforderungen der EU-Verordnung (EU) 2016/425 entsprechen. Das CE-Zeichen allein sagt jedoch nichts über das Schutzniveau aus – dafür sind die jeweiligen Normen entscheidend.
EN 388 – Schutz vor mechanischen Risiken
Die am häufigsten verwendete Norm ist EN 388, die den Schutz vor mechanischen Einflüssen wie Abrieb, Schnitt, Riss und Durchstich beschreibt. Auf dem Handschuh finden Sie ein Hammer-Symbol und vier oder fünf Ziffern bzw. Buchstaben, die die Testergebnisse angeben:
- Abriebfestigkeit (1–4) – wie viele Zyklen das Material aushält, bevor es durchgescheuert ist.
- Schnittfestigkeit (1–5 oder A–F) – wie widerstandsfähig der Handschuh gegen scharfe Kanten ist.
- Weiterreißfestigkeit (1–4) – wie viel Kraft nötig ist, um das Material zu zerreißen.
- Stichfestigkeit (1–4) – wie gut der Handschuh gegen spitze Gegenstände wie Nägel schützt.
- ISO-Schnitt (A–F) – eine neuere, präzisere Methode zur Messung der Schnittfestigkeit.
Je höher die Zahl oder der Buchstabe, desto besser der Schutz. Ein Handschuh mit der Kennzeichnung 4X43F bietet beispielsweise sehr hohen Schutz gegen Abrieb und Schnitte – ideal für Arbeiten mit Metall oder Glas.
EN 407 – Schutz vor Hitze und Flammen
Wer mit Schweißarbeiten, Gießereien oder heißen Oberflächen zu tun hat, sollte auf die Norm EN 407 achten. Sie bewertet den Schutz gegen Hitze, Funken und Flammen. Getestet werden sechs Eigenschaften, darunter Entflammbarkeit, Kontaktwärme und Strahlungswärme.
Ein hoher Wert bedeutet, dass der Handschuh auch bei hohen Temperaturen sicher ist. Dennoch sollte er ausreichend Beweglichkeit bieten – besonders bei präzisen Arbeiten.
EN 511 – Schutz vor Kälte
Für Arbeiten im Freien im Winter oder in Kühlhäusern ist die Norm EN 511 relevant. Sie gibt an, wie gut der Handschuh gegen Konvektionskälte (Luft) und Kontaktkälte (Oberflächen) schützt. Einige Modelle sind zusätzlich wasserdicht – ein entscheidender Faktor, um die Hände auch bei Feuchtigkeit warm zu halten.
EN ISO 374 – Schutz vor Chemikalien und Mikroorganismen
Beim Umgang mit Reinigungsmitteln, Ölen oder Laborchemikalien ist EN ISO 374 entscheidend. Diese Norm beschreibt den Schutz vor chemischer Durchdringung sowie vor Bakterien und Viren.
Wichtig ist, die genauen Stoffe zu kennen, mit denen Sie arbeiten, denn kein Handschuh schützt vor allen Chemikalien. Die Herstellerangaben zeigen, gegen welche Substanzen der Handschuh getestet wurde und wie lange er standhält.
So wählen Sie den richtigen Handschuh
Bei der Auswahl von Arbeitshandschuhen sollten Sie drei Faktoren berücksichtigen:
- Gefährdung am Arbeitsplatz – Welche Risiken bestehen? Scharfe Kanten, Hitze, Kälte, Chemikalien oder Vibrationen?
- Komfort und Passform – Ein unbequemer Handschuh wird schnell ausgezogen. Achten Sie auf gute Passform, Fingergefühl und Atmungsaktivität.
- Arbeitsumgebung – Ist es trocken, nass, warm oder kalt? Materialien wie Nitril, Leder oder Textil haben je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Vorteile.
Oft ist es sinnvoll, mehrere Handschuhtypen bereitzuhalten – etwa leichte Montagehandschuhe für Feinarbeiten und robustere Modelle für grobe Tätigkeiten.
Pflege und Austausch
Selbst der beste Handschuh verliert mit der Zeit an Schutzwirkung. Prüfen Sie regelmäßig auf Abnutzung, Risse oder Verhärtungen. Einweghandschuhe sollten nach Gebrauch entsorgt werden, wiederverwendbare Modelle müssen sachgerecht gereinigt und getrocknet werden. Vermeiden Sie direkte Hitzeeinwirkung, da diese das Material beschädigen kann.
Sicherheit beginnt mit Wissen
Die Wahl des richtigen Arbeitshandschuhs ist keine Nebensache – sie betrifft Ihre Sicherheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wer die Klassifizierungen kennt, kann fundierte Entscheidungen treffen und sich optimal schützen. Ein kleiner Aufwand, der große Verletzungen verhindern kann.

















